Wahrnehmendes Beobachten

Was ist wahrnehmendes Beobachten?

Wahrnehmendes Beobachten ist ein prozessorientiertes Beobachtungsverfahren, das im Rahmen der Bildungsvereinbarung Nordrhein-Westfalen von der Arbeitsgruppe Professionalisierung frühkindlicher Bildung entwickelt wurde (2004). Seitdem wurde es in unterschiedlichen Projekten weiterentwickelt. Wahrnehmendes Beobachten ist in NRW sowohl im Kinderbildungsgesetz (KiBiz) als auch in den Bildungsgrundsätzen als Beobachtungsverfahren für Kindertagesstätten fest verankert.

Beim wahrnehmenden Beobachten handelt es sich um eine professionelle Haltung, die es ermöglicht, Bildungsprozesse von Kindern wahrzunehmen, um auf kindliche Initiativen sinnvoll zu antworten. Gleichzeitig ist es ein alltägliches Instrument, mit dessen Hilfe man die pädagogische Arbeit an den Möglichkeiten und Ressourcen der Kinder und der pädagogischen Fachkräfte ausrichten kann. Wahrnehmendes Beobachten ist das Herzstück ei- ner Pädagogik, die auf die Tätigkeiten und Interessen des Kindes achtet.

Wozu dient wahrnehmendes Beobachten?

Ziel des wahrnehmenden Beobachtens ist es, sich den Kindern mit ihren Vorstellungen und Denkweisen zu nähern, ihre Absichten und Interessen zu erfassen. Es geht darum, zu verstehen, warum Kinder das tun, was sie tun, um fachlich auf ihre Tätigkeiten antworten und sie bei ihren selbst gewählten Aufgaben begleiten, unterstützen und/oder herausfordern zu können (vgl. Schäfer & Alemzadeh 2012).

Beobachtung und Dokumentation im pädagogischen Alltag

Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren spielen seit einigen Jahren in der Bildungsdiskussion eine wichtige Rolle. Viele Erzieherinnen haben leider den Eindruck gewonnen, dass Beobachtung und Dokumentation zeitraubende Verpflichtungen seien. In dem Buch „Wahrnehmendes Beobachten – Beobachtung und Dokumentation am Beispiel der Lernwerkstatt Natur“ wird ausführlich und praxisnah dargestellt, weshalb es Sinn macht wahrnehmend zu beobachten und zu dokumentieren. Beobachtung und Dokumentation ist  Konsequenz eines dialogischen pädagogischen Handelns, das darauf zielt, den pädagogischen Alltag sinnvoll auf die Fragen der Kinder abzustimmen, ihn von Tag zu Tag zu gestalten und Raum für forschendes Nachdenken und Lernen zu öffnen.

Beim wahrnehmenden Beobachten handelt es sich um ein Verfahren, das dazu dient, Kinder und ihre Lernprozesse tagtäglich wahrzunehmen und die pädagogische Arbeit an den individuellen Möglichkeiten und Ressourcen der Kinder auszurichten.
Das wahrnehmende Beobachten bringt Ihnen großen Gewinn für Ihre Arbeit. Alle anderen Aufgaben – zum Beispiel Portfolios anlegen oder Elterngespräche vorbereiten – können daraus abgeleitet werden. Wahrnehmendes Beobachten schafft eine differenzierte Grundlage für Ihre pädagogische Arbeit mit den Kindern und für die Zusammenarbeit mit den Eltern und der Schule. Gelingt es Ihnen, sich diese Haltung anzueignen, werden Sie zunehmend mehr Zeit für Ihre eigentliche Aufgabe finden: die Bildungsprozesse der Kinder hervorzulocken, zu unterstützen und weiterzutreiben.

Das Buch zum wahrnehmenden Beobachten

Gerd E. Schäfer, Marjan Alemzadeh: Wahrnehmendes Beobachten.
Beobachtung und Dokumentation am Beispiel der Lernwerkstatt Natur.

verlag das netz, 2012.

120 Seiten, mit vielen Fotos und einem Poster zum Herausnehmen.
ISBN 978-3-937785-060-4
Euro 22,90

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Das Buch möchte Freude am Beobachten wecken und darüber hinaus zeigen, was für die pädagogische Arbeit gewonnen werden kann, wenn man Kindern im Sinne wahrnehmender Beobachtung begegnet. Gerd E. Schäfer beschreibt das Bildungsverständnis, das dem wahrnehmenden Beobachten zugrunde liegt, und vermittelt Grundlegendes zu diesem Instrument pädagogischen Handelns.

Der praktischen Anwendung widmet sich Marjan Alemzadeh. Sie erklärt die vier Schritte:

  1. Wahrnehmend beobachten
  2. Beschreiben
  3. Reflektieren
  4. Dokumentieren

Eine Orientierungshilfe zum wahrnehmenden Beobachten sorgt für Überblick. Neun praktische Beispiele aus der Lernwerkstatt Natur runden das Buch ab. Die Pädagogin nimmt in den Beispielen verschiedene Rollen ein, mal ist sie nur Beobachterin, mal kommt sie als Impulsgeberin oder Mitspielerin vor. Neben den Beispielen für schriftliche Beobachtungen und deren Reflexionen, werden drei Arten von Dokumentationen, ein Projekt und ein Notizbuch vorgestellt. Sie bekommen also einen guten Überblick, wie sich das wahrnehmende Beobachten in der Praxis umsetzen lässt.

Fortbildungen

Unser multi-professionelles Team von Weltwerkstatt bietet Fortbildungen zum Thema Beobachtung und Dokumentation nach dem Ansatz des wahrnehmenden Beobachtens an.

Haben Sie Interesse an einer Fortbildung zum wahrnehmenden Beobachten? Dann besuchen Sie doch unsere Homepage www.weltwerkstatt.de.