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Online-Seminar Wahrnehmendes Beobachten

Teil 1: Wahrnehmend Beobachten

Die vier Schritte bei der Umsetzung Wahrnehmenden Beobachtens

In der aktu­el­len Bil­dungs­dis­kus­si­on spie­len Beob­ach­tungs- und Doku­men­ta­ti­ons­ver­fah­ren eine gro­ße Rol­le. Dabei wird zwi­schen dia­gnos­ti­schen und pro­zess­ori­en­tier­ten Beob­ach­tungs­ver­fah­ren unter­schie­den. Die meis­ten pro­zess­ori­en­tier­ten Ver­fah­ren haben zum Ziel, kind­li­che Bil­dungs­pro­zes­se zu erken­nen, zu reflek­tie­ren und zu doku­men­tie­ren. Im Kita-All­tag spie­gelt sich die Beob­ach­tungs­pra­xis der Ein­rich­tun­gen jedoch meist nur in den Port­fo­li­os der Kin­der wider – und bis­lang eher sel­ten im Han­deln der päd­ago­gi­schen Fach­kräf­te. Wahr­neh­men­des Beob­ach­ten dient als pro­zess­ori­en­tier­tes Ver­fah­ren ins­be­son­de­re dazu, eine pro­fes­sio­nel­le Hal­tung zu ent­wi­ckeln, die es ermög­licht, die päd­ago­gi­sche Arbeit – sei es die Ein­ge­wöh­nung, die Inter­ak­ti­ons­ge­stal­tung, die Gestal­tung der all­täg­li­chen Abläu­fe oder die Raum­ge­stal­tung – an den indi­vi­du­el­len Mög­lich­kei­ten und Res­sour­cen der Kin­der auszurichten.

Die prak­ti­sche Anwen­dung des Beob­ach­tungs­ver­fah­rens besteht aus vier Schrit­ten, die im Fol­gen­den beschrie­ben werden:

  1. Wahr­neh­men­des Beobachten
  2. Beschrei­ben
  3. Reflek­tie­ren
  4. Doku­men­tie­ren

Es ist wich­tig nicht beim ers­ten oder zwei­ten Schritt ste­hen­zu­blei­ben; gera­de der Schritt der Refle­xi­on ist wesent­lich in der früh­päd­ago­gi­schen Pra­xis, um eine for­schen­de Hal­tung zu entwickeln.

1. Schritt: Wahrnehmend beobachten

Möchten Sie die Bil­dungs­pro­zes­se der Kin­der so unterstützen, dass die kind­li­che Selbst­steue­rung und Eigenaktivität gewahrt blei­ben, sind Sie dar­auf ange­wie­sen, kind­li­che Signa­le wahr­zu­neh­men, zu deu­ten und situationsadäquat auf die Bedürfnisse, Inter­es­sen und anste­hen­den Ent­wick­lungs­pro­zes­se der Kin­der ein­zu­ge­hen. Dazu können Sie das Wahr­neh­men­de Beob­ach­ten als Werk­zeug für den pädagogischen All­tag nut­zen. Die Beob­ach­tung erfolgt frei, ohne vor­ab defi­nier­te Beob­ach­tungs­ka­te­go­rien, die den Blick lei­ten. Wie beob­ach­tet man nun wahrnehmend?

Dichte Wahrnehmung

Rich­ten Sie Ihre gan­ze Auf­merk­sam­keit auf ein Kind, eine Kin­der­grup­pe oder eine Situa­ti­on, in der Sie selbst oder ein Kollege/eine Kol­le­gin mit dem Kind in einer Situa­ti­on invol­viert sind. Sei­en Sie mit allen Sin­nen an der Beob­ach­tung betei­ligt, auch und gera­de mit Ihrer kör­per­li­chen und emo­tio­na­len Wahr­neh­mungs­fä­hig­keit. Inten­si­vie­ren Sie Ihre Wahr­neh­mun­gen bewusst. Schau­en Sie auf­merk­sam hin, hören Sie bewusst zu, ver­ge­gen­wär­ti­gen Sie sich Ihre Gefüh­le mit Hil­fe Ihrer emo­tio­na­len Wahr­neh­mung. Beden­ken Sie: Ein­zel­ne Wahr­neh­mungs­wei­sen sind in ihrer Reich­wei­te begrenzt. Was mit den Augen nicht wahr­ge­nom­men wer­den kann, wird mög­li­cher­wei­se durch das Füh­len erfasst. Ver­su­chen Sie, dicht wahr­zu­neh­men. Dicht wahr­zu­neh­men heißt, ver­schie­de­ne Wahr­neh­mungs­for­men und die Infor­ma­tio­nen zu erfas­sen, die durch sie gewon­nen wer­den können:

  • Neh­men Sie sich Zeit für die Wahr­neh­men­de Beob­ach­tung. Nut­zen Sie alle Mög­lich­kei­ten der Wahr­neh­mung, ein­schließ­lich der emo­tio­na­len Wahr­neh­mung. Machen Sie sich das Beob­ach­te­te auf viel­fäl­ti­ge Wei­se und in mög­lichst vie­len Details bewusst.
  • Nut­zen Sie, wo es hilf­reich erscheint, tech­ni­sche Hilfs­mit­tel, zum Bei­spiel einen Foto­ap­pa­rat, eine Video-Kame­ra oder ein Ton­band­ge­rät. Die­se Hilfs­mit­tel erlau­ben es, bestimm­te Wahr­neh­mungs­pro­zes­se nach­träg­lich zu wie­der­ho­len. Auch das Anfer­ti­gen von Noti­zen kann hilf­reich sein. Jedoch soll­ten die Hilfs­mit­tel Sie nicht zu sehr von der Situa­ti­on ablen­ken – ihr Fokus soll­te ganz klar bei den Kin­dern bleiben.
  • Bege­ben Sie sich in einen Pro­zess der Ver­lang­sa­mung. Neh­men Sie so bewusst wie mög­lich wahr (vgl. Schä­fer 2010) und nut­zen Sie den Moment des Wahr­neh­men­den Beob­ach­tens für Ihre Bezie­hungs­ge­stal­tung zu den Kindern.

Teilnahme und innere Beteiligung

Gehen Sie beim Wahr­neh­men­den Beob­ach­ten im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes mit den Kin­dern mit. Wen­den Sie sich den Kin­dern sowohl kör­per­lich als auch geis­tig zu. Tau­chen Sie mit in das Gesche­hen ein: „Dabei sein meint nicht nur anwe­send sein, son­dern selbst mit eige­nen Mit­teln wenigs­tens ansatz­wei­se nach­zu­voll­zie­hen, was ein ande­rer in sei­nem Tun erle­ben, emp­fin­den oder erfah­ren könn­te“ (Schä­fer 2010, S. 74f.).

Sei­en Sie inner­lich betei­ligt. Ver­su­chen Sie, sich in das Kind ein­zu­füh­len. Ver­su­chen Sie, die Bedeu­tung des Gesche­hens aufzuspüren:

  • Wor­um könn­te es dem Kind in der beob­ach­te­ten Situa­ti­on gehen?
  • Wel­che Bedeu­tung, wel­chen Sinn könn­te das Gesche­hen für das Kind haben? Wor­an wird das deutlich?

Wie beginnt man mit dem Wahrnehmenden Beobachten?

Wahr­neh­men­des Beob­ach­ten hilft Ihnen, eine Hal­tung zu ent­wi­ckeln, in der Sie dar­um bemüht sind, Kin­der zu ver­ste­hen, ihre Signa­le wahr­zu­neh­men und päd­ago­gi­sche Hand­lungs­wei­sen wie All­tags­struk­tu­ren so aus­zu­rich­ten, dass Kin­der ihren Inter­es­sen und Bedürf­nis­sen auto­nom – und in siche­rer Bezie­hung – nach­ge­hen kön­nen. Dem­zu­fol­ge kann das Wahr­neh­men­de Beob­ach­ten als All­tags­in­stru­ment in jeder Situa­ti­on ein­ge­setzt wer­den. Um damit zu begin­nen, ist es jedoch sinn­voll, den Fokus zunächst auf ein­zel­ne Situa­tio­nen zu rich­ten, zum Bei­spiel auf:

  • selbst gewähl­te Tätig­kei­ten der Kinder;
  • Situa­tio­nen, die Ihre Auf­merk­sam­keit erregen;
  • all­täg­li­che Rou­ti­nen wie Pfle­ge­si­tua­tio­nen, Essen, Anziehen;
  • Ritua­le
  • Situa­tio­nen, in denen Sie in das Gesche­hen invol­viert sind.

Im Mit­tel­punkt kann dabei stehen:

  • ein ein­zel­nes Kind,
  • meh­re­re Kinder,
  • die Inter­ak­ti­on zwi­schen einem Kind oder meh­re­ren Kin­dern und Ihnen oder einer ande­ren päd­ago­gi­schen Fachkraft.

Selbst gewählte Tätigkeiten der Kinder

Wenn Sie Situa­tio­nen wahr­neh­mend beob­ach­ten, in denen Kin­der selbst gewähl­ten Tätig­kei­ten nach­ge­hen, ste­hen fol­gen­de Fra­gen im Mit­tel­punkt des Interesses:

  • Was bringt gera­de die­ses Kind – oder die­se Kin­der­grup­pe – an Hand­lungs­wei­sen, Ideen und Mög­lich­kei­ten in eine gege­be­ne Situa­ti­on ein?
  • Wel­che Fähig­kei­ten setzt das Kind ein?
  • Wel­che Erfah­run­gen hält die selbst gewähl­te Tätig­keit für das Kind bereit?
  • Wel­che Bedeu­tung könn­ten die Erfah­run­gen für das Kind haben?

Kin­der möch­ten mit jeder Tätig­keit ein Stück der Welt erkun­den, ver­ste­hen und gestal­ten. Sie haben die Gabe, sich sehr inten­siv auf Din­ge ein­zu­las­sen. Tun sie das nicht, ist dies ein Hin­weis für Sie, zu über­prü­fen, wor­an es lie­gen könn­te. Fällt es ihnen schwer, sich ver­tie­fend auf etwas ein­zu­las­sen, könn­te dies ein Spie­gel dafür sein, dass ihnen etwas fehlt. Wenn ein Kind sich nicht inter­es­siert sei­ner Umwelt wid­met, ist dies ent­we­der ein Zei­chen dafür, dass es see­lisch im Ungleich­ge­wicht ist und päd­ago­gi­sche Unter­stüt­zung benö­tigt, oder dass eine anre­gungs­rei­che Umge­bung fehlt, die zum Erkun­den ein­lädt. Dabei geht es vor allem um Erfah­run­gen in All­tags­zu­sam­men­hän­gen. Pro­fes­sio­nel­le Beob­ach­tun­gen hel­fen dabei unter­schei­den zu ler­nen was die Grün­de des kind­li­chen Ver­hal­tens sein könnten.

Wenn Sie mit dem Wahr­neh­men­den Beob­ach­ten an Ihre Gren­zen sto­ßen, so ist dies der Moment, wo Sie wei­te­re dia­gnos­ti­sche Ver­fah­ren her­an­zie­hen müs­sen, um bei­spiels­wei­se die sozia­le und emo­tio­na­le Ent­wick­lung des Kin­des genau­er zu betrach­ten. Das Wahr­neh­men­de Beob­ach­ten bezieht sich vor­wie­gend auf psy­chisch gesun­de und nicht bspw. trau­ma­ti­sier­te Kin­der oder Kin­der mit Bin­dungs­stö­run­gen. Soll­te hier ein Ver­dacht oder auch eine kon­kre­te Vor­ge­schich­te bestehen, bedarf es in der Regel wei­te­rer Stra­te­gien und Unter­stüt­zung. Auch wenn Sie über wahr­neh­men­de Beob­ach­tun­gen bspw. bemer­ken, dass ein Kind in sei­ner Sprach- oder Bewe­gungs­ent­wick­lung ver­zö­gert ist, wird es wich­tig Ver­fah­ren her­an­zu­zie­hen, die die Ent­wick­lung des Kin­des in bestimm­ten Berei­chen genau­er unter die Lupe nehmen.

Auch hier spielt die inter­dis­zi­pli­nä­re Zusam­men­ar­beit eine wich­ti­ge Rol­le: Jedes Beob­ach­tungs- oder Dia­gno­se­ver­fah­ren hat sei­ne eige­nen Anwen­dungs­be­rei­che und Ziel­set­zun­gen. Früh­päd­ago­gi­sche Pro­fes­sio­na­li­tät besteht nicht zuletzt dar­in zu wis­sen, wann wel­ches Ver­fah­ren wich­tig ist und wann bspw. eine inter­dis­zi­pli­nä­re Zusam­men­ar­beit mit Früh­för­der­stel­len ein­ge­setzt wer­den sollte.

Wenn Sie in Ihrer Ein­rich­tung sel­ten Kin­der beob­ach­ten kön­nen, die län­ge­re Zeit selbst gewähl­ten Tätig­kei­ten nach­ge­hen, dann über­prü­fen Sie ein­mal ob es in Ihrer Ein­rich­tung Mate­ria­li­en gibt, die die Selbst­tä­tig­keit der Kin­der anre­gen. Wenn es wenig Mate­ria­li­en gibt, mit denen die Kin­der frei umge­hen kön­nen und der Fokus auf vor­ge­fer­tig­tes Spiel­zeug wie Steck­puz­zle und ähn­li­chem liegt, das nicht zweck­ent­frem­det wer­den kann, so wird das Spiel­po­ten­ti­al des Kin­des nicht voll aus­ge­schöpft. Wer­den Kin­der immer wie­der in ihrem Explo­ra­ti­ons­drang gebremst, so kann dies auch zur Frus­tra­ti­on füh­ren. Schaf­fen Sie offe­ne Mate­ria­li­en an, die inten­si­ve sinn­li­che Erfah­run­gen im All­tag zulas­sen, wie eine Sand- oder Lin­sen­wan­ne mit Schöpf­kel­len, Trich­ter und Fla­schen zum Be- und Umfül­len für den Grup­pen­raum. Mate­ria­li­en, die Kin­der sta­peln kön­nen (wie Becher) sind auch sehr beliebt. Die­se wer­den dann nicht nur zum Sta­peln, son­dern viel­leicht zum Rei­hen bil­den genutzt. Kri­te­ri­en für gutes Spiel­ma­te­ri­al sind Offen­heit, Inten­si­tät und eine anre­gen­de Sin­nes­er­fah­rung, die zu einem explo­rie­ren­den Spiel ein­la­den und die Erfah­run­gen im Kon­text ermöglichen.

Situationen, die Ihre Aufmerksamkeit erregen

Der päd­ago­gi­sche All­tag ist kom­plex. Häu­fig gesche­hen vie­le ver­schie­de­ne Din­ge gleich­zei­tig und zie­hen Ihre Auf­merk­sam­keit auf sich. Fällt Ihr Blick auf eine bestimm­te Situa­ti­on, ist es sinn­voll, die­sen Fokus bewusst zu hal­ten und die vol­le Auf­merk­sam­keit dar­auf zu rich­ten. Es gibt unend­lich vie­le Situa­tio­nen im All­tag, die man wahr­neh­mend beob­ach­ten kann. Wahr­neh­men­des Beob­ach­ten fokus­siert somit nicht aus­schließ­lich Bil­dungs­si­tua­tio­nen, die wir mit Fas­zi­na­ti­on und Begeis­te­rung wahr­neh­men. Auch Din­ge, die wir nicht ver­ste­hen, die uns irri­tie­ren, kön­nen wahr­neh­mend beob­ach­tet wer­den und uns somit viel­leicht einen wich­ti­gen Hin­weis dar­auf geben, dass ein Kind beson­de­re Beach­tung benötigt.

Aber auch Situa­tio­nen, in denen das eige­ne päd­ago­gi­sche Han­deln in den Mit­tel­punkt der Auf­merk­sam­keit rückt, weil etwas im Ver­hal­ten des Kin­des uns ver­är­gert, trau­rig macht, stresst oder auf­regt, könn­te ein Aus­gangs­punkt für Wahr­neh­men­des Beob­ach­ten sein (sie­he hier­zu das Kapi­tel 2.3 des Buchs “Wahr­neh­men­des Beob­ach­ten in Krip­pe und Kin­der­ta­ges­pfle­ge”). Was möch­te sich in die­sen Situa­tio­nen zei­gen? Sind es eige­ne The­men, mit denen wir über die Kin­der kon­fron­tiert wer­den? Wahr­neh­men­des Beob­ach­ten trägt immer auch zu Bio­gra­phie­ar­beit bei, da wir dabei immer auch etwas über uns selbst ler­nen kön­nen, wenn wir dazu bereit sind über unse­re eige­nen Reak­ti­ons­wei­sen zu reflek­tie­ren und nach­zu­for­schen, wel­che Ver­hal­tens­wei­sen bspw. durch unse­re selbst erleb­te eige­ne Erzie­hung oder prä­gen­den Erfah­run­gen in unse­rem Leben unter­be­wusst bestimmt werden.

Alltägliche Routinen wie Essen oder Anziehen

Bil­dungs­pro­zes­se voll­zie­hen sich im All­tag, also auch in all­täg­li­chen Rou­ti­nen wie beim Essen, in Pfle­ge­si­tua­tio­nen oder beim Anzie­hen. Schau­en Sie sich genau an, wel­che Erfah­run­gen die jewei­li­gen Situa­tio­nen zulas­sen, sowohl auf der Ebe­ne der kind­li­chen Bil­dungs­pro­zes­se, als auch auf der Ebe­ne der Beziehungsgestaltung.

Um all­täg­li­che Situa­tio­nen wahr­neh­mend zu beob­ach­ten, ist es hilf­reich eine gewis­se Distanz her­zu­stel­len, die es ermög­licht, das Gesche­hen „neu“ zu betrach­ten. Ver­su­chen Sie ein­mal ver­schie­de­ne Per­spek­ti­ven ein­zu­neh­men. So kön­nen Sie ver­su­chen die all­täg­li­chen Rou­ti­nen aus der Per­spek­ti­ve der Kin­der zu sehen. Oder Sie schau­en sich eine Situa­ti­on aus der Vogel­per­spek­ti­ve auf einer Meta­ebe­ne an. Auch kann es hilf­reich sein, sich eine Situa­ti­on aus der Sicht einer Kollegin/eines Kol­le­gen anzu­schau­en, der/die in Situa­tio­nen, die einen selbst stres­sen, ruhig blei­ben kann. Bestimm­te Situa­tio­nen aus der Per­spek­ti­ve der Eltern zu betrach­ten, kann auch sehr wert­voll sein für eine gute Zusammenarbeit.

Gibt es Situa­tio­nen im All­tag, in denen leicht Stress ent­steht, soll­ten Sie genau­er hinschauen:

  • Wie ver­läuft so eine Situation?
  • Wodurch ent­steht der Stress? Bei wem? Bei einem Kind, bei meh­re­ren? Bei Ihnen?
  • Wie könn­ten Sie den Ablauf ver­än­dern, um Stress zu vermeiden?

Ach­ten Sie dabei auf das bewuss­te Gestal­ten von Mikro­tran­si­tio­nen (sie­he Kapi­tel 1 des Buchs “Wahr­neh­men­des Beob­ach­ten in Krip­pe und Kin­der­ta­ges­pfle­ge” zu struk­tu­rel­len Abläufen).

Situationen, in denen Sie in das Geschehen involviert sind

Päd­ago­gi­sche Hand­lungs­fel­der sind kom­plex, da sie durch den täg­li­chen Umgang mit vie­len unter­schied­li­chen Situa­tio­nen und Auf­ga­ben hohe Anfor­de­run­gen an das Per­so­nal stel­len. Im Lau­fe der Zeit bil­den sich bestimm­te Hand­lungs­rou­ti­nen her­aus, die es erleich­tern, den All­tag zu struk­tu­rie­ren und zu bewäl­ti­gen. Gera­de weil sich sol­che Rou­ti­nen ein­stel­len, gilt Selbst­be­ob­ach­tung als Teil der Pro­fes­sio­na­li­sie­rung, um das eige­ne päd­ago­gi­sche Han­deln kon­ti­nu­ier­lich reflek­tie­ren zu können.

Päd­ago­gi­sches Han­deln zeich­net sich unter ande­rem dadurch aus, wie man mit Kin­dern in Bezie­hung tritt, wie man mit ihnen inter­agiert, wie man auf ihre Bedürf­nis­se ein­geht, wie man sie in ihren Bil­dungs­pro­zes­sen unter­stützt, wie man eine Umge­bung für sie schafft. Des­halb soll­ten Sie auch Situa­tio­nen zum Wahr­neh­men­den Beob­ach­ten nut­zen, in denen Sie in das Gesche­hen invol­viert sind, in denen Sie mit den Kin­dern einer Tätig­keit nach­ge­hen oder sie dabei beglei­ten. Um sol­che Situa­tio­nen spä­ter reflek­tie­ren zu kön­nen, emp­fiehlt es sich, sie hin und wie­der mit dem Ton­band­ge­rät oder der Video­ka­me­ra aufzunehmen.

Praxistipp

Wenn Sie mit dem Wahr­neh­men­den Beob­ach­ten begin­nen, ist es sinn­voll, zunächst Situa­tio­nen zu nut­zen, in denen Sie sich voll und ganz auf das Gesche­hen ein­las­sen kön­nen. Hier­für bie­ten sich Situa­tio­nen an, in denen die Kin­der selbst gewähl­ten Tätig­kei­ten nach­ge­hen. Bewährt hat sich auch, zunächst ein­zel­ne Kin­der wahr­neh­mend zu beobachten.

Je rou­ti­nier­ter Sie im Umgang mit dem Wahr­neh­men­den Beob­ach­ten wer­den, des­to kom­ple­xer kön­nen die Situa­tio­nen sein, die Sie beob­ach­ten. Mit der Zeit wird es Ihnen auch gelin­gen, klei­ne Kin­der­grup­pen zu beob­ach­ten oder Situa­tio­nen zu nut­zen, in denen Sie eine han­deln­de Rol­le im Gesche­hen einnehmen.

Literatur

Alemzadeh, M. (Hrsg.). (2021). Wahr­neh­men­des Beob­ach­ten in Krip­pe und Kin­der­ta­ges­pfle­ge. Par­ti­zi­pa­to­ri­sche Didak­tik. Frei­burg im Breis­gau: Her­der Verlag.
Schä­fer, G. E. (2010). Früh­kind­li­che Bil­dungs­pro­zes­se in eth­no­gra­phi­scher Per­spek­ti­ve. Zur Begrün­dung und kon­zep­tio­nel­len Aus­ge­stal­tung einer päd­ago­gi­schen Eth­no­gra­phie der frü­hen Kind­heit. In G.E. Schä­fer & R. Sta­e­ge (Hrsg.), Früh­kind­li­che Lern­pro­zes­se ver­ste­hen. Eth­no­gra­phi­sche und phä­no­me­no­lo­gi­sche Bei­trä­ge zur Bil­dungs­for­schung (S. 69–90). Wein­heim: Juventa.