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Online-Seminar Wahrnehmendes Beobachten

Teil 2: Beschreiben

2. Schritt: Beschreiben

Das Schrei­ben von Noti­zen, Geschich­ten und Doku­men­ta­tio­nen ist ein not­wen­di­ger Schritt für die Refle­xi­on des­sen, was man beob­ach­tet hat. Haben Sie regel­mä­ßig Gele­gen­heit, im Team über Ihre Beob­ach­tun­gen zu spre­chen, so ist auch dies eine wich­ti­ge Form der Beschrei­bung im kom­mu­ni­ka­ti­ven Aus­tausch. Ver­su­chen Sie so oft es geht, Ihre wahr­neh­men­den Beob­ach­tun­gen zu notie­ren, dar­über zu erzäh­len und Ihre Klä­rungs­er­geb­nis­se zu dokumentieren.

Notizen

Noti­zen sind schrift­li­che Dar­stel­lun­gen von Beob­ach­tun­gen, die schon in der Situa­ti­on fest­ge­hal­ten oder gleich danach auf­ge­schrie­ben wer­den. Sie die­nen dem unmit­tel­ba­ren Fest­hal­ten der Ein­drü­cke, ent­hal­ten aber auch per­sön­li­che Bemer­kun­gen und blei­ben pri­vat. Damit wird auch das Fest­hal­ten der eige­nen Betei­li­gung mög­lich. Meist ent­wi­ckelt jede Kol­le­gin bzw. jeder Kol­le­ge ihre/seine eige­ne Art und Wei­se des Notierens.

Es ist von Vor­teil, jeder­zeit einen Stift und Papier zur Hand zu haben. Machen Sie sich wäh­rend der aktu­el­len Situa­ti­on Noti­zen, die es Ihnen ermög­li­chen, die Beob­ach­tung auf­zu­schrei­ben. Notie­ren Sie die Aus­sa­gen der Kin­der, um sie spä­ter wört­lich wie­der­ge­ben zu kön­nen. Blei­ben Sie den­noch immer Teil des Gesche­hens. Beim Wahr­neh­men­den Beob­ach­ten sind Sie kein außen­ste­hen­der Beob­ach­ter, der auf Abstand geht, son­dern mit­ten­drin auf Kin­der­hö­he – wenn auch mit Papier und Stift oder Kamera.

Fotos hel­fen, Situa­tio­nen im Nach­hin­ein zu rekon­stru­ie­ren. Außer­dem fan­gen sie Situa­tio­nen anders ein als Tex­te. Ach­ten Sie beim Foto­gra­fie­ren dar­auf, dass Sie aus­sa­ge­kräf­ti­ge Aus­schnit­te und Blick­win­kel wäh­len. Sie kön­nen Details her­vor­he­ben oder den gan­zen Pro­zess fest­hal­ten, sodass Sie spä­ter eine Foto­se­rie haben. Auch ande­re tech­ni­sche Hilfs­mit­tel wie eine Video-Kame­ra oder ein Ton­band­ge­rät kön­nen hilf­reich sein, gera­de wenn Sie in das Gesche­hen invol­viert sind. Auch hier ist es wich­tig, dass durch die Hilfs­mit­tel kei­ne Distanz zwi­schen Ihnen und den Kin­dern ent­steht. Mit der Zeit wer­den Sie Ihre eige­nen Tech­ni­ken fin­den, um Bedeut­sa­mes festzuhalten.

Ach­ten Sie dar­auf, dass die Akkus stets auf­ge­la­den sind und dass auf den Spei­cher­kar­ten der Gerä­te genug Platz vor­han­den ist. Das täg­li­che Über­tra­gen der Fotos auf den Com­pu­ter sorgt für Ord­nung und leich­ten Zugriff. Die Noti­zen und Bil­der die­nen als Grund­la­ge, um Bil­dungs­pro­zes­se der Kin­der und das eige­ne päd­ago­gi­sche Den­ken und Han­deln in einen Zusam­men­hang zu brin­gen und zu reflek­tie­ren. Schrei­ben Sie Ihre Beob­ach­tun­gen so zeit­nah wie mög­lich auf. Ver­su­chen Sie, sich am bes­ten gleich nach der Beob­ach­tungs­si­tua­ti­on kurz zum Schrei­ben zurückzuziehen.

Geschichten schreiben

Zie­hen Sie Ihre Noti­zen, Fotos oder sons­ti­gen Hilfs­mit­tel her­an, um das Gesche­hen so prä­zi­se und detail­liert wie mög­lich zu beschrei­ben. Zu Beginn jeder Beob­ach­tung soll­ten Sie fol­gen­de Eck­da­ten festhalten:

  • Datum,
  • Name der beob­ach­te­ten Kinder/des beob­ach­te­ten Kin­des mit Altersangabe,
  • Beob­ach­ten­der,
  • Zeit­dau­er der Beobachtung,
  • Ort der Beobachtung

Die­se Daten sind wich­tig, wenn die Beob­ach­tun­gen genutzt wer­den, um Pro­zes­se oder Ent­wick­lun­gen der Kin­der nach­zu­voll­zie­hen. Außer­dem erleich­tern sie das Ord­nen und Sortieren.

Dar­über hin­aus ist es sinn­voll, die Aus­gangs­si­tua­ti­on zu Beginn jeder Wahr­neh­men­den Beob­ach­tung kurz zu beschrei­ben und zu erläu­tern, wie Ihr Inter­es­se auf die Situa­ti­on gelenkt wur­de. Dies ermög­licht es, die Beob­ach­tung auch spä­ter noch in den pas­sen­den Kon­text einzuordnen.

Mit Geschich­ten machen Sie Ihre Beob­ach­tun­gen ande­ren Men­schen zugäng­lich. Schrei­ben Sie eine Geschich­te, mit der Sie die Leser in die Lage ver­set­zen, nach­zu­voll­zie­hen, was Sie wahr­ge­nom­men haben. Beschrei­ben Sie die beob­ach­te­te Situa­ti­on so detail­liert und anschau­lich wie mög­lich. Ach­ten Sie beim Schrei­ben dar­auf, nicht nur fest­zu­hal­ten, was die Kin­der getan haben, son­dern vor allem, wie sie es getan haben. Schrei­ben Sie so, dass Men­schen, die nicht an der Situa­ti­on betei­ligt waren, ein leb­haf­tes Bild davon erhalten.

Über­le­gen Sie, wel­che Infor­ma­tio­nen jemand braucht, um das Gesche­he­ne nach­voll­zie­hen zu kön­nen. Damit das Doku­ment alle für die Inter­pre­ta­ti­on rele­van­ten Infor­ma­tio­nen ent­hält, kön­nen Sie Adver­bi­en benut­zen, die die Qua­li­tät des kind­li­chen Tuns beschrei­ben. Sitzt ein Kind ent­spannt oder ange­spannt auf den Stuhl? Schaut es neu­gie­rig, auf­merk­sam oder gelang­weilt? Wor­an wird das erkennbar?

Wenn Sie schrei­ben, dass ein Kind fröh­lich wirkt, soll­ten Sie beschrei­ben, wor­an Sie das erken­nen: Wie ist die Kör­per­hal­tung des Kin­des? Was brin­gen Ges­tik und Mimik des Kin­des zum Aus­druck? Wie geht es sei­nen Tätig­kei­ten nach? Was bringt es dabei zum Aus­druck? Wor­an wird das für Sie erkenn­bar? Wel­che Rol­le spie­len Sie im Geschehen?

Genau­so soll­ten Sie sich nicht davor scheu­en, Ihre eige­nen Emp­fin­dun­gen und Wahr­neh­mun­gen auf­zu­schrei­ben. Wor­in zeigt sich Ihre Wut, wenn ein Kind ein Port­fo­lio zer­reißt? Wie kommt Ihr Ärger zum Aus­druck, wenn ein Kind alles aus­räumt, was Sie gera­de zuvor sorg­sam ein­ge­räumt haben? Oder wor­in spü­ren Sie Ihre Trau­rig­keit, wenn ein Kind zum Bei­spiel den gan­zen Tag dar­auf war­tet, von der Mama abge­holt zu wer­den? Wür­den Sie die­se Infor­ma­tio­nen weg­las­sen, so kann man unter Umstän­den nicht mehr erken­nen, wes­halb die Situa­ti­on für Sie bedeu­tungs­voll war.

Im Doku­ment hat bei­des sei­nen Platz: das Beob­ach­te­te und sei­ne Wir­kung auf Sie. Wich­tig ist jedoch, dass Sie Ihre Wahr­neh­mun­gen kennt­lich machen und sich des­sen bewusst sind, dass es Ihre Wahr­neh­mun­gen sind, nicht die des Kin­des. Gera­de wenn die Wahr­neh­men­de Beob­ach­tung als Grund­la­ge für die Refle­xi­on des eige­nen päd­ago­gi­schen Han­delns genutzt wer­den soll, ist dies beson­ders wichtig.

Mit Ihrer Geschich­te brin­gen Sie Wahr­ge­nom­me­nes in einen Sinn­zu­sam­men­hang. Hal­ten Sie die Geschich­te den­noch für Varia­tio­nen oder Ver­än­de­run­gen offen. Wenn Sie Ihre Per­spek­ti­ve im Team vor­stel­len, kön­nen die Kolleg*innen wei­te­re Per­spek­ti­ven hin­zu­fü­gen. Durch das Kom­bi­nie­ren ver­schie­de­ner Per­spek­ti­ven kann sich die Geschich­te ver­än­dern oder erweitern.

Bereits das (Be-)Schreiben ist ein Refle­xi­ons­pro­zess, da Sie sich die Situa­ti­on noch ein­mal genau ver­ge­gen­wär­ti­gen, um sie in Wor­te zu fas­sen. Dabei mer­ken Sie, wie auf­merk­sam Sie in der Situa­ti­on waren (oder auch nicht waren) und wie dif­fe­ren­ziert Sie etwas wahr­ge­nom­men haben. Außer­dem wird Ihnen zuneh­mend bewusst, wel­che Situa­tio­nen Sie wie wahrnehmen.

Die Wech­sel­wir­kung zwi­schen dem Wahr­neh­men in der Situa­ti­on und dem Auf­schrei­ben im Nach­hin­ein kann Ihre Wahr­neh­mung im Lau­fe der Zeit differenzieren.